Die Geschichte der Soziologie – ein Überblick über die großen Trends

Mai 13, 2011 von

Der Begriff “Soziologie” wurde erstmals von dem französischen Essayisten Emmanuel Joseph Sieyès (1748–1836) verwendet.

Begründung der Soziologie als wissenschaftliche Disziplin

Als “Vater der Soziologie” wird allgemein der Franzose Auguste Comte (1798-1857) betrachtet. Unter “Soziologie” verstand Comte die Wissenschaft der menschlichen Gesellschaft. Aufgabe der Soziologie war es seiner Meinung nach, gesellschaftliche Prozesse zu analysieren, um ihre Gesetzmäßigkeiten zu verstehen und so gesellschaftliche Probleme identifizieren und schließlich lösen zu können. Comte war davon überzeugt, dass die Gesellschaft nach einigen wenigen allgemein gültigen Gesetzen funktioniere, und letztlich nichts anderes sei als eine “Naturwissenschaft des Sozialen”.

Der wissenschaftliche Ansatz der frühen Soziologen war, der Soziologie Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens zu Grunde zu legen, wie sie auch in den Naturwissenschaften gelten, wobei insbesondere der Empirie eine besondere Bedeutung zukommen sollte. Dieser “Positivismus”, der zuerst von Émile Durkheim als Methode propagiert wurde, war in der Frühphase der Soziologie bestimmend.

Positivismus und Antipositivismus

Kritisiert wurde der Positivismus Durkheimers vor allem von Marx, der – auf der Hegelschen Dialektik aufbauend – eine kritische Analyse der empirisch gewonnenen Daten forderte. Wilhelm Dilthey und Heinrich Rickert kritisierten eine zu enge Anlehnung an die Methodik der Naturwissenschaften, denn die soziale Welt unterscheide sich von der natürlichen Welt, und könne durch eine bloße Übernahme naturwissenschaftlicher Methoden nicht beschrieben und analysiert werden.

Die Kritik am Positivismus mündete schließlich im Antipositivismus, der die Erforschung gesellschaftlicher Normen, Werte, Symbol in den Vordergrund stellte und dabei – im Gegensatz zu den Positivisten – auf eine “subjektive”, die handelnden Subjekte in den Vordergrund stellende Perspektive setzte, und nicht die Auswertung objektiv messbarer Daten. Entwickelt und maßgeblich geprägt wurde der Antipositivismus um die Wende zum 20. Jahrhundert herum vor allem durch Max Weber, Ferdinand Tönnies und Georg Simmel.

Kritische Theorie, Postmodernismus, Globalisierungsforschung

Nach dem ersten Weltkrieg begann die Herausbildung soziologischer Spezialdisziplinen und Schulen, die bis heute anhält. Eines der frühesten Beispiel für diese Entwicklung waren in der Zwischenkriegszeit die einflussreichen Chicagoer Schule und die Frankfurter Schule, wobei die einflussreiche Kritische Theorie der Frankfurter Schule (Adorno, Horkheimer) Elemente des historischen Materialismus Karl Marx’ mit den Lehren Webers, Freuds und Gramscis verband.

Nach dem Zweiten Weltkrieg Krieg kann es – vor allem in den USA – zu einer neuen Blüte der Soziologie, da soziologische Forschungsergebnisse zunehmend von Regierungen und Unternehmen herangezogen wurden. Die wichtigste soziologische Schule der 1960er und 1970er Jahre war der Postmodernismus, der sich vor allem mit der Frage nach der Identität in einer Zeit der Auflösung sozialer Großstrukturen beschäftigte.

In den 1980er Jahren gewann vor allem die Kommunikations- und Globalisierungsforschung an Bedeutung.
Großes Gewicht besaßen bis zum Ende des 20. Jahrhunderts auch Systemtheoretiker wie vor allem Niklas Luhmann.

Seit den 1990er Jahren gibt es eine Renaissance positivistischer Ansätze, nicht zuletzt in der Analyse sozialer Netzwerke.

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