Um Mitarbeiter erfolgreich in betriebliche Prozesse in der Nähmaschinenindustrie einzubinden, bedarf es effizienter Führungsmethoden. Bei diesen handelt es sich nicht um unabänderliche, ewig gültige Regeln. Vielmehr müssen sie sich permanent im betrieblich-soziologische Kontext bewähren und bei gravierenden Veränderung von Gesellschaft oder Industrie modifiziert oder auch völlig neu definiert werden. Führten vor wenigen Jahre gerade in der Nähmaschinenindustrie klar ausgeprägte Hierarchien mit vielen Leitungsebenen zu autoritären Führungsmethoden, hat sich das heute grundlegend gewandelt. Partnerschaftliches Miteinander, fairer Umgang mit Untergebenen, Motivation und das Setzen von Leistungsanreizen stellen in modernen Industrie Betrieben das Führungsinstrumentarium dar.
Der kooperative Führungsstil entspricht weitestgehend diesen Vorgaben. Statt Untergebenen lediglich Anweisungen zu geben und diese auch mit Druckmitteln durchzusetzen, bindet der Vorgesetzte die zu führenden Mitarbeiter bereits in den Entscheidungsprozess mit ein. Dies bewirkt zum einen, dass mehr Ideen und Kreativität berücksichtigt werden können und eine Minimierung des Risikos von Fehlentscheidungen zu verzeichnen ist. Auf der anderen Seite stößt dieser Führungsstil immer dann an seine Grenzen, wenn Entscheidungen sehr schnell getroffen oder unpopuläre Maßnahmen, wie zum Beispiel Entlassungen oder ein Verzicht auf Lohnerhöhungen, beschlossen werden müssen. Die Mitarbeiter nehmen den kooperativen Führungsstil im günstigsten Fall als angemessene Berücksichtigung ihrer Leistungen und Auffassungen bei den betrieblichen Entscheidungen wahr. Doch gerade weniger gut ausgebildete Arbeitskräfte mit einfachen Aufgaben empfinden kooperative Führungsmethoden oft auch als Überforderung. Sie möchten ihrer Tätigkeit nachgehen, ohne sich weiter über das Unternehmen oder ihre Abteilung Gedanken machen zu müssen. Sie bevorzugen klare Anweisungen der ihnen hierarchisch Vorgesetzten. Soziologisch gesehen entspricht der kooperative Führungsstil dem Selbstverständnis der Bürger in einer offenen, modernen und demokratischen Gesellschaft.
Der situative Führungsstil greift dies auf und propagiert, dass je nach zu bewältigender Situation Führungsmethoden der verschiedenen Schulen angewandt werden. So ist zum Beispiel die Entscheidung über Einstellungen von Nähmaschinenindustrie Arbeitern von der Geschäftsführung zusammen mit den Abteilungsleitern kooperativ zu treffen. Andererseits bieten sich für die Durchsetzung neuer Akkordnormen durch Gruppenleiter eher traditionell-hierarchische Führungsmethoden an. Auch in Hinsicht auf den demographischen Wandel und den mit ihm verbundenen Fachkräftemangel in der Nähmaschinenindustrie wird eine weitere Veränderung der Führungsmethoden erforderlich. Mehr Mitarbeiterorientierung, die Eröffnung von Aufstiegs- und Karrierechancen auf allen betrieblichen Ebenen werden ebenso gefordert sein, wie die noch größere Berücksichtigung der individuellen Erwartungen an das Unternehmen.